Altersvorsorge

Wie eine Immobilie eure Rentenlücke schließt – Rechenbeispiel mit konkreten Zahlen

📖 14 Min. Lesezeit Aktualisiert: Januar 2026

Ihr habt es sicher schon gehört: Die gesetzliche Rente wird nicht reichen. Aber was heißt „nicht reichen" eigentlich konkret? Und was könnt ihr dagegen tun?

Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hat genau das untersucht – und kommt zu einem klaren Ergebnis: Wohneigentum ist eine der wirksamsten Formen der Altersvorsorge. Eigentümerhaushalte haben sechsmal seltener eine Altersvorsorgelücke als Mieter.

In diesem Artikel rechnen wir das anhand eines realistischen Beispiels durch. Mit echten Zahlen, nachvollziehbaren Annahmen und einem Vergleich, der zeigt, was am Ende wirklich übrig bleibt.

📸 [Screenshot: Mietkauf-Vergleichsrechner Übersicht]

Warum die gesetzliche Rente nicht reicht

Fangen wir mit den harten Fakten an. Das Rentenniveau sinkt seit Jahrzehnten – und dieser Trend wird sich fortsetzen:

Rentenniveau im Zeitverlauf

1977 fast 60%
Heute ca. 50%
Prognose 2035 (ohne Eingriffe) 45,8%

Gleichzeitig steigt der Altenquotient – also das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen – von 29,5% (2022) auf prognostizierte 41,1% im Jahr 2040. Weniger Einzahler, mehr Empfänger – die Rechnung geht nicht auf.

Was das konkret bedeutet? Die IW-Studie hat es ausgerechnet: 87 bis 91 Prozent der rentennahen Haushalte haben eine Versorgungslücke, wenn nur die gesetzliche Rente betrachtet wird. Die durchschnittliche monatliche Lücke liegt bei etwa 1.260 bis 1.290 Euro – bei einem Zielniveau von 80% des letzten Nettoeinkommens.

Was ist die Altersvorsorgelücke?

Die Altersvorsorgelücke (auch Rentenlücke genannt) ist die Differenz zwischen dem Einkommen, das ihr im Alter braucht, und dem, was die gesetzliche Rente liefert.

Faustregel: Um euren Lebensstandard zu halten, braucht ihr im Alter etwa 60-80% eures letzten Nettoeinkommens. Bei 4.500 € Haushaltsnetto wären das 2.700 € (60%) bis 3.600 € (80%).

Die Grundsicherung fängt zwar Extremfälle auf – aber sie sichert keinen Lebensstandard. Sie sichert nur das Existenzminimum.

Eigentümer vs. Mieter: Der Vermögensvergleich

Die Studie vergleicht die Vermögenssituation von Eigentümer- und Mieterhaushalten. Die Unterschiede sind gewaltig:

Kennzahl Eigentümer Mieter Faktor
Durchschnittliches Nettovermögen 590.200 € 87.600 € 6,7x
Durchschnittliches Finanzvermögen 119.900 € 45.100 € 2,7x
Anteil mit Lücke (80%-Ziel) 41% 78%
Anteil mit Lücke (60%-Ziel) 14% 49%

Besonders interessant: Eigentümer haben nicht nur mehr Immobilienvermögen, sondern auch mehr Finanzvermögen. Der Immobilienkauf wirkt wie ein „Sparturbo" – die monatliche Kreditrate diszipliniert, und das Vermögen wächst in mehreren Bereichen.

Das Rechenbeispiel: Familie Meier kauft eine Immobilie

Jetzt wird's konkret. Wir rechnen ein realistisches Beispiel durch – mit Zahlen, die ihr in unserem Rechner selbst nachvollziehen könnt.

Ausgangssituation Familie Meier

Alter beider Partner 35 Jahre
Haushaltsnettoeinkommen 4.500 € / Monat
Aktuelle Warmmiete 1.150 € / Monat
Angespartes Eigenkapital 70.000 €
Kaufpreis Immobilie 350.000 €
Kaufnebenkosten (ca. 10%) 35.000 €
Finanzierungsbedarf 315.000 €

📸 [Screenshot: Tilgungsrechner mit Eingabewerten]

Die Finanzierung

Sollzins 3,5%
Anfängliche Tilgung 2,0%
Monatliche Rate ca. 1.444 €
Zinsbindung 15 Jahre
Restschuld nach 15 Jahren ca. 207.000 €
Anschlussfinanzierung (Annahme 4%, 3% Tilgung) ca. 1.208 € / Monat
Immobilie abbezahlt mit ca. 62 Jahren

Die monatliche Rate ist mit 1.444 € etwa 300 € höher als die bisherige Miete. Aber: Jeden Monat baut Familie Meier Vermögen auf, statt das Geld an einen Vermieter zu überweisen.

Die Situation mit 67 Jahren: Der große Vergleich

Szenario A: Die Meiers haben gekauft

Immobilienwert (konservativ, 1% p.a. Steigerung) ca. 470.000 €
Restschuld 0 €
Netto-Immobilienvermögen 470.000 €
Zusätzliches Finanzvermögen ca. 80.000 €
Gesamtvermögen ca. 550.000 €

Monatliche Situation im Ruhestand:

Erwartete GRV-Rente (beide zusammen) ca. 2.400 € / Monat
Wohnkosten (Nebenkosten, Instandhaltung) ca. 350 € / Monat
Monatliche Ersparnis gegenüber Miete ca. 850 €
Mögliche Kapitalentnahme (22 Jahre) ca. 2.080 € / Monat
Verfügbares Einkommen ca. 5.330 € / Monat

Szenario B: Die Meiers haben weiter gemietet

Angespartes Finanzvermögen ca. 120.000 €
Erwartete GRV-Rente ca. 2.400 € / Monat
Miete (nach 32 Jahren, 2% p.a. Steigerung) ca. 2.150 € / Monat
Mögliche Kapitalentnahme (22 Jahre) ca. 450 € / Monat
Verfügbares Einkommen (nach Miete) ca. 700 € / Monat

📸 [Screenshot: Vergleichsübersicht Eigentümer vs. Mieter Endergebnis]

Das Ergebnis im direkten Vergleich

Kennzahl Eigentümer Mieter Differenz
Monatlich verfügbar ca. 5.330 € ca. 700 € +4.630 €
Gesamtvermögen ca. 550.000 € ca. 120.000 € +430.000 €
80%-Zielniveau erreicht? ✓ Ja, übertroffen ✗ Nein

Die Zahlen sprechen für sich: Als Eigentümer haben die Meiers monatlich über 4.600 Euro mehr zur Verfügung und ein mehr als viermal so hohes Vermögen.

Warum der Vergleich noch konservativ ist

Einige Faktoren haben wir bewusst vorsichtig kalkuliert:

  1. Wertsteigerung nur 1% p.a.: Historisch lagen die Steigerungen deutlich höher. Selbst in strukturschwachen Regionen ist 1% eher pessimistisch.
  2. Keine Mietersparniseffekte eingerechnet: Eigentümer können in Krisenzeiten ihre Rate anpassen (Tilgungsaussetzung), Mieter nicht.
  3. Kein Inflationsschutz berücksichtigt: Immobilien gelten als Sachwerte und schützen langfristig vor Inflation – Mieten steigen mit.
  4. Keine steuerlichen Vorteile: Selbstgenutztes Wohneigentum ist steuerfrei bei Verkauf nach 10 Jahren.

Die größte Hürde: Das Eigenkapital

Wenn Wohneigentum so vorteilhaft ist – warum kaufen dann nicht alle? Die Studie gibt auch hier Auskunft: Es fehlt am Eigenkapital.

Das Eigenkapitalproblem in Zahlen

  • Notwendiges Eigenkapital: 20-30% des Kaufpreises
  • Bei 300.000 € Kaufpreis: ca. 60.000-90.000 €
  • Nur 25% der Mieter zwischen 35-44 Jahren haben so viel angespart

Was ihr konkret tun könnt

  1. Bausparvertrag nutzen: 40% der Eigentümer haben einen Bausparvertrag (Durchschnittsguthaben: 16.290 €). Je früher ihr startet, desto besser.
  2. Familienunterstützung strategisch einplanen: Schenkungen oder zinslose Darlehen können den Einstieg erleichtern.
  3. Kaufnebenkosten im Blick behalten: Die 10-15% Nebenkosten müssen aus Eigenkapital finanziert werden.
  4. Realistisch kalkulieren: Nutzt unseren Rechner, um eure persönliche Situation durchzuspielen.

Fazit: Die Immobilie als dritte Säule der Altersvorsorge

Die IW-Studie belegt eindrucksvoll:

  1. Die gesetzliche Rente allein reicht für die wenigsten Haushalte
  2. Eigentümer haben ein 6-7-fach höheres Vermögen als Mieter
  3. Die Altersvorsorgelücke ist bei Eigentümern deutlich seltener (41% vs. 78%)
  4. Der „Sparzwang" durch die Kreditrate wirkt wie ein automatischer Vermögensaufbau
  5. Mietfreies Wohnen im Alter ist ein unterschätzter Vorteil

Das bedeutet nicht, dass jeder kaufen muss oder kann. Aber es lohnt sich, die eigene Situation durchzurechnen – mit realistischen Zahlen statt Wunschdenken.

Euer nächster Schritt

Rechnet eure persönliche Situation durch. Mit unserem kostenlosen Rechner könnt ihr Kaufen und Mieten direkt vergleichen – mit euren eigenen Zahlen.

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